Europäische Kommission: Sharing Anbieter müssen Regularien erfüllen

Foto: Markus Würfel (CC-BY-SA-3.0)

Seitdem das Internet verstärkt für kommerzielle Zwecke genutzt wird, hat es die Spielregeln auf vielen Märkten verändert. Zeitungsverlage stehen unter Druck, weil Kunden Nachrichten kostenlos über das Internet beziehen können. Den Buchhandel hat Amazon.com kräftig aufgemischt und treibt die Branche weltweit vor sich, während die Musikbranche mit den diversen Streamingdiensten in der Internetökonomie neu aufgestellt hat.

Demnächst dürften Banken und der Finanzsektor durch das Internet neu aufgerüttelt werden. Dank Internet können Online-Plattformen Menschen-Schwärme mobilisieren, die ihr Erspartes anderen als Kredit ausleihen. In Zeiten niedriger Bankzinsen können Sparer dort mehr Erträge erzielen. Smava, Auxmoney oder Lendico sind solche Online-Finanzplattformen.

Sharing nicht verwechseln mit Verleih-Unternehmen

Am Horizont der Internetökonomie brauen sich also neue Wolken, die unser gewohntes Leben zwischen Nachfrage und Angebot durcheinanderbringen könnten: Sharing. Sharing ist nicht zu verwechseln von Anbietern, die Werkzeuge, Autos oder andere Gegenstände verleihen. Wesentliches Merkmal ist die Abwesenheit von Eigentum. Während Verleih-Firmen, die Verleih-Waren einkaufen und durch Verleih-Gebühren amortisieren, setzt Sharing voraus, dass ein Anbieter keine dieser Waren und Güter besitzen.

Das Unternehmen für Fahrdienstleistungen “Uber” ist ein prominentes Beispiel der so genannten Share Economy. Das Unternehmen selbst besitzt keine Fahrzeug-Flotte, die es wie ein Taxi-Unternehmen den Kunden bereitstellt. Uber ist eine reine Vermittlungs-Plattform im Internet und stellt den Kontakt zwischen Fahrzeug-Besitzern und Fahrgästen her. Mittels der Uber-App werden Fahrer und Passagier über das Fahrziel handelseinig. Das Besondere: der Fahrer stellt das Auto und seinen Fahrdienst privat zur Verfügung.

Keine Betriebsmittel – aber 900 Millionen Euro Umsatz

Wenig überraschend also, dass die Taxi-Branche auf die Barrikaden geht. Auch andere Anbieter von Fahrdienstleistungen sind nervös. Denn Uber hat im Jahr 2013 213 Millionen US-Dollar Umsatz generiert. Eine stolze Summe für eine Unternehmung, die keine Betriebsmittel benötigt. Andere Beispiele sind AirBnB (Schätzungsweise 900 Millionen Dollar), eine Plattform zur Vermietung von privaten Unterkünftigen, oder lieferheld.de (197 Millionen Euro Umsatz), ein Bestell-Service für allerlei Essen.

Die Share Economy steht am Anfang. Dies kann man auch daran erkennen, dass die Kommission der Europäischen Union sich erst vor Kurzem auf “Leitlinien” für die EU-Mitgliedsstaaten veröffentlicht, in denen sie empfiehlt, Anbieter der Share Economy gegenüber etablierten Unternehmen nicht zu benachteiligen. Die EU-Kommission möchte vor allem keine Innovation behindern. Vielmehr ist sie interessiert, dass das Flickenteppich aus Regularien vereinheitlicht wird.

Anbieter von Sharing sollen dabei drei zentrale Voraussetzungen erfüllen: Steuern zahlen, die Rechte von Verbrauchern achten und sich an Sozial- und Arbeitsrechtsvorschriften halten. In der Mitteilung der EU-Kommission “Europäische Agende zur kollaborativen Wirtschaft”, wie sie Share Economy nennt, hat sie auf 18 Seiten einen umfangreichen Leitlinienkatalog für die EU-Mitglieder (PDF, dt.) veröffentlicht.  

 

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