Mobilitätskultur: Wege zu einer neuen Mobilität

Foto: Universität Siegen / Lehrstuhl Prof. Dr. Bergmann

Das Forschungsprojekt remonet (regional e-mobility network) des Lehrstuhls für Innovations- und Kompetenzmanagement von Prof. Dr. Gustav Bergmann hat am 29. September 2016 die 3. Siegener eMobility-Konferenz am neuen Standort der Universität in Siegens Unterem Schloss veranstaltet.

Dazu waren Wissenschaftler, Fachpublikum und interessierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen, sich über alternative Perspektiven für Mobilität zu informieren und über ihre Machbarkeit – vor allem in ihrer Stadt Siegen – zu diskutieren. Wichtiger Bestandteil der Konferenz war es, insbesondere die Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung neuer Mobilitätsperspektiven aktiv einzubinden.

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  • Seit den 1950er Jahren wird die Verkehrspolitik und -planung durch die private, automobilzentrentrierte Mobilität geprägt.
  • Inzwischen stößt die allgemeine Privatmobilisierung räumlich und ökologisch an ihre Grenzen.  
  • Auf der 3. Siegener eMobility-Konferenz haben Wissenschaftler mit dem Fachpublikum und Bürgerinnen und Bürger über alternative Mobilitätskonzepte ausgetauscht.
  • Gefordert wird eine Mobilitätskultur durch aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger zu entwickeln, um multimodale Verkehrsnetze und städtische Mobilitätskonzepte zu entwickeln.
  • Weitere Informationen finden Sie auf der Projekt-Website: www.remonet.eu
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So wurden im gemeinsamen Innovationsworkshop am Nachmittag von den Experten und engagierten Bürgen die wahrgenommenen Problemlagen aufgezeigt. Es wurden Alternativen und Möglichkeiten für die Stadt Siegen aufgezeigt. Zentrale Forderung der Veranstalter und der Referenten war daher, dass die Entscheidungsträger in Städten und Landkreisen diese Entwicklungen aufzugreifen und mit allen Betroffenen gemeinsam an nachhaltigen Lösungen und Alternativen zu arbeiten.

eindimensionale, autozentrierte Stadt- und Verkehrsplanung

Denn die Konferenz widmete sich in diesem Jahr einem zentralen Thema der Mobilität in Deutschland: die Eindimensionalität unserer Mobilitätskultur. Eindimensionale Mobilität meint hier, dass die Entwicklung der Verkehrspolitik- und Planung spätestens seit den 1950er Jahren deutlich beherrscht wurde von der Ausrichtung auf die private, automobilzentrierte Mobilität nach dem Leitbild der autogerechten Stadt. Dies hat ungeahnte Folgen und Konsequenzen für Städte, Regionen, Länder und ganze Kontinente. Vor allem aber stand im Raum die Frage, ob dieser Zustand alternativlos ist.

Was in der Anfangszeit der Privatmobilisierung noch das Versprechen von Freiheit war „Freie Fahrt für freie Bürger“, hat sich mittlerweile in sein Gegenteil verkehrt: „Freier Stau und zunehmend unabsehbare Umweltfolgen für unfreie Bürger“. Die allgemeine Privatmobilisierung stößt weltweit insbesondere räumlich und ökologisch an ihre Grenzen. Projektkoordinator Dr. Jürgen Daub erläuterte dies in seinem Vortrag eindringlich.

Die Förderung von Elektromobilität bestehe nicht darin, einen reinen Aggregatsaustausch umzusetzen, sondern beinhalte neues Denken, neue Gestaltung sowie die Forcierung intelligenter Konzepte. Dazu ist die herrschende Logik zu durchbrechen: „Verkehrsprobleme sind nicht durch die Lösungen aus der Welt zu schaffen, die sie verursacht haben“, so Jürgen Daub.

Lösungen kollaborativ entwickeln

Trotzdem weisen die Entwicklungsperspektiven in vielen Städten und Regionen immer noch auf die Verbesserung der Bedingungen für den Autoverkehr hin. Anstelle von Entwicklungen intelligenter Alternativen in Form von multimodaler Verkehrsvernetzung, zukunftsfähiger städtischer Mobilitätskonzepte bis hin zu Verkehrsvermeidungsperspektiven, insbesondere in städtischen Zentren, verharrt man vielerorts im „mehr desselben“ der automobilen Privatmobilität.

Lösungen werden gesehen in der kollaborativen Entwicklung der Mobilität. Politische Entscheidungsträger, Verkehrsplaner, Wissenschaft, Bürger und öffentliche Verkehrsträger müssen vernetzt agieren. So können Strukturen und Anreize geschafft werden, Mobilität für die Nutzer attraktiver zu gestalten und Nutzungsroutinen zu verändern.

Mobilitätskonzepte im Bürgerdialog entwickeln

„Mobilität ist mehr als Verkehr“ – in diesem Beitrag diskutierte der ausgewiesene Verkehrs- und Umweltforscher Claus Seibt insbesondere die Rolle und Verantwortung der Entscheidungsträger „Das politische ist der Ort, an dem Widersprüche bearbeitet werden“. Deshalb forderte er, dass Mobilitätskonzepte im demokratischen Prozess verhandelt werden müssen.

 

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Interessante Quellen zum Nachlesen: 
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Herr Dr. Matthias Wirth spannt den Bogen zu laufenden Forschungsprojekten und ermöglicht gemeinsam mit dem Vortrag von Christoph Overs vom Zukunftsnetz NRW einen Blick über den Tellerrand. Beide Referenten zeigen die Notwendigkeit von Vernetzungsarbeit auf und belegen anschaulich die Bedeutung der Kooperation mit den Entscheidungsträgern in den Kommunen und Gemeinden bei der Entwicklung einer neuen Mobilität.

Tagungsthema wird als Buch veröffentlicht

Am Ende der Konferenz bleiben die Ideen, Innovationen und Konzepte nicht innerhalb der Wände des Veranstaltungsorts. Das Tagungsthema wird in der gemeinsamen Buchveröffentlichung „Alternative Mobilität – Möglichkeiten neuer Wege in der Automobilgesellschaft“ weiterdiskutiert. In dem Buch bieten die Mobilitätsforscher unter Herausgeberschaft von Prof. Dr. Gustav Bergmann und Dr. Jürgen Daub Ansatzpunkte die Debatte um Mobilität wieder in Bewegung zu bringen und liefern einen multiperspektivischen Blick auf das Themenfeld Mobilität.

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