Einzelhandel: Zwischen Erlebniseconomy und Online-Bestellung

Foto: Benh LIEU SONG (CC BY-SA 3.0)

Wird der Online-Handel den stationären Einzelhandel verdrängen? Lange Zeit galt dies als ein mögliches Szenario und war auch die Sorge von traditionellen Handelsunternehmen. Inzwischen gibt es Entwarnung. Die Konsumenten möchten auf den stationären Handel genauso wenig wie auf den Online-Handel bzw. das Internet als Informationsmedium verzichten. In den letzten Jahren entwickelte sich eine Diversifikation von online/offline-Vertriebswegen, die miteinander verknüpft sind. Omni-Channel heißt ein solches Vertriebskonzept, mit dem Konsumenten mindestens zwei Vertriebskanäle simultan nutzen.

[jumbotron tagline=“Zusammenfassung“]
  • Der Online-Handel hat den stationären Handel nicht verdrängt, wie es zu Beginn der New Economy befürchtet wurde.
  • Allerdings sind Online- und Offline-Vertriebswege miteinander verknüpft.
  • Forscher des Fraunhofer Instituts erwarten, dass die Zukunft des Handels in Deutschland in zwei Richtungen entwickeln wird: Vollsortiment versus kleine Dorfläden.
  • Um Trends, Innovationen und Geschäftskonzepte zu testen, hat das Fraunhofer Institut das “Josephs”, ein Testlabor, in Nürnberg gegründet.
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Doch damit ist nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. In den USA wird beispielsweise bereits über den “post-omni-channel”-Vertriebskanal laut nachgedacht. Hierzulande wird über die Zukunft des Handels besonders unter dem Eindruck der demografischen Entwicklung diskutiert. Immer mehr Menschen verlassen die ländlichen Regionen in Richtung der Städte. Während die Zahl der Stadtbewohner steigt, sinkt sie in den Dörfern, so dass für kaum einen Einzelhandel sich rentiert, dort Läden zu betreiben.

Vollsortiment in der Stadt, kleine Läden im Dorf

Stefan Wolpert vom Fraunhofer Institut in Nürnberg prognostiziert daher eine zweigleisige Entwicklung. Im Interview für Deutschlandfunk führt er an, dass in den Städten immer mehr große Einzelhandelsgeschäfte mit einem Vollsortiment geben wird. Auf dem Land hingegen werden es kleinere Geschäfte, die mit Online-Handel verknüpft sind.

Dort können Konsumenten im Online-Shop vorab einen Warenkorb zusammenstellen, die sie dann im Geschäft abholen können. Waren, die der kleine Einzelhandel nicht besitzt, werden geliefert. Für Wolpert stellt dies kein Problem angesichts sinkender Logistikkosten dar. Eine weitere Entwicklung nennt er den “Erlebniseinkauf”. Shopping ist inzwischen mehr als Einkaufen und die Versorgung von Waren. Es hat den Charakter einer Freizeitaktivität eingenommen und konkurriert mit Kinos oder Kletterhallen. In dieser Erlebniseconomy sind die Kunden bereit, mehr für die Waren und das Erlebnis zu bezahlen.

Stefan Wolperts Prognosen sind deswegen besonders interessant, weil seine Erkenntnisse im ersten Testlabor des Fraunhofer Instituts entstanden sind. “Josephs”, benannt nach Joseph Fraunhofer, ist ein Mitmach-Labor und anwendungsorientierte Denkfabrik, die im Gewand eines herkömmlichen Ladengeschäfts in der Nürnberger Innenstadt ihren Sitz hat. Zu den üblichen Geschäftszeiten können Besucher und Interessenten Josephs aufsuchen und Teil eines realen Experiments werden.

[lists style=“info-circled“ color=“#1e73be“] Einzelhandel ist drittgrößter Wirtschaftszweig:

  • 300.000 Unternehmen an 410.000 Betriebsstätten
  • 459,8 Milliarden Euro Jahresumsatz
  • 50 Millionen Kundenkontakte täglich
  • ca. 3 Millionen Beschäftigte
  • 160.000 Auszubildende

Quelle: einzelhandel.de (PDF)] [/lists]

Reallabor für Daten und Wissen

Auf 400 Quadratmeter präsentieren unterschiedliche Unternehmen ihre Produkte, Services und Geschäftsideen richtigen Konsumenten, von denen sie Feedbacks erhalten. Dafür können sie die Ausstellungen entdecken, ausprobieren und sogar nach ihren eigenen Ideen gestalten. In Workshops und Vorträgen erhalten die Besucher und das Fachpublikum interessante Inputs zu unterschiedlichen Themen des Handels. Für die Feedbacks hält Josephs einige technische Features bereit, um die Meinungen der Besucher auf unterschiedliche Weise zu erheben.

Genau wie die InnovationLabs, wie sie die Deutsche Bank einsetzt, um neue Geschäftsmodelle im Digitalzeitalter auszuprobieren, ist “Josephs” für den Einzelhandel ein Reallabor, um wichtige Daten und Erkenntnisse für Innovationen und Geschäftsmodelle zu gewinnen.

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