Wissensarbeit: Flexibilisierung, Digitalisierung und Coworking

Nikola Alberts, Volkswirtin und Organisationsentwicklerin sowie Inhaber von F&O - Führungskräfte- und Organisationsentwicklung

Was war der Anstoß für Ihre Entscheidung, ein Coworking Space für Ihre Mitarbeiterin in Anspruch zu nehmen?

Mein Unternehmen ist über die vergangenen Jahre kontinuierlich gewachsen. Dabei ist nicht nur die Zahl der freien Mitarbeiter gestiegen, auch eine Mitarbeiterin wurde eingestellt. Da der Sitz des Unternehmens Köln ist, aber die Mitarbeiterin selbst in Dortmund lebt, war es naheliegend, dass sie sich in Dortmund einrichtet. Sie selbst schlug daraufhin WorkInn als Arbeitsplatz vor.

Ihre Mitarbeiterin selbst hat Ihnen den Vorschlag gemacht, einen Arbeitsplatz am WorkInn einzurichten? War für Ihre Mitarbeiterin ein Home-Office keine Lösung?

Genau. Es war ihr Vorschlag. Home-Office ist sicherlich eine sinnvolle Ergänzung. Auf Dauer aber bietet ein Büro mehr Möglichkeiten an. Home Office als Option kam also nicht in Frage, auch ein Pendeln zwischen Dortmund und Köln war keine Lösung, zumal wir oft vor Ort bei Kunden tätig sind. Vom Büro aus reisen, war also auch nicht optimal.

Die Einrichtung eines Arbeitsplatzes am WorkInn war also aus Sicht von Work-Life-Balance perfekt. Auch Risiko-Gesichtspunkte spielten eine wichtige Rolle…

Was meinen Sie mit “Risiko-Gesichtspunkten”?

Nun ja… im Gegensatz zu einem gewerblichen Mietobjekt bietet WorkInn als Coworking Space-Anbieter volle Flexibilität in der Finanzierung von Büroräumlichkeiten. Der notwendige Arbeitsplatz, die Technik und Telekommunikation sowie Sozialräume und Verwaltung werden angeboten, ohne sich für eine Mindestlaufzeit zu binden, wie es bei gewerblichen Mieten oft der Fall ist. Statt für den Betrieb, die Pflege und die Verwaltung der Räumlichkeiten wenden wir unsere wertvolle Zeit auf diese Weise für unser Kerngeschäft auf.

Aus diesem Grund war es eine richtige Entscheidung, dass die Mitarbeiterin im WorkInn sich niederlässt. Dies gewährleistet ein Wachstum, das uns nicht überfordert, weil wir unser Kerngeschäft und die Kunden im Fokus behalten können.

Nikola Alberts ist Inhaberin von “F&O - Führungskräfte- und Organisationsentwicklung” mit Sitz in Köln. Sie hat an der Universität zu Köln Volkswirtschaft studiert. Im Anschluss war sie im Controlling eines Großunternehmens, bis sie die Möglichkeit hatte, in die Personalentwicklung umzusteigen. 2004 hat sie sich mit F&O selbständig gemacht und berät Unternehmen mit Industrie-Hintergrund.
Nikola Alberts ist Inhaberin von F&O – Führungskräfte- und Organisationsentwicklung mit Sitz in Köln. Sie hat an der Universität zu Köln Volkswirtschaft studiert. Im Anschluss war sie im Controlling eines Großunternehmens, bis sie die Möglichkeit hatte, in die Personalentwicklung umzusteigen. 2004 hat sie sich mit F&O selbständig gemacht und berät Unternehmen mit Industrie-Hintergrund.

Wie organisieren und synchronisieren sie beide ihre Arbeit?

Wir arbeiten semiautonom. Also, es gibt keine festen Zeiten. In der Regel weiß jeder sehr gut Bescheid, was getan werden muss. Es kommt aber häufig vor, dass wir uns vormittags absprechen. E-Mail, Videochat oder klassisch am Telefon. Vertrauen und Loslassen-Können sind wichtige Voraussetzungen.

Wünschen Sie sich manchmal trotzdem nicht, dass Ihre Mitarbeiterin doch auf kurzem Wege greifbar ist? Manchmal steht man unter Zeitdruck und benötigt dringende Informationen…

Selbstverständlich kommen solche Situationen vor, in denen ich mir wünsche, dass meine Mitarbeiterin im Nebenraum arbeitet und ich kurz zu ihr gehen kann. Allerdings überwiegen die Vorteile einer Zusammenarbeit, wie wir sie aktuell pflegen. Statt ihre Zeit auf Straße und Schiene zu verbringen, um hierhin zu kommen, kann sie sie nutzen, um sich auf die Projekte und Kunden zu konzentrieren. Das ist mir lieber und wichtiger. Und es ist auch im Sinne unserer Kunden und Projekte.

Es hört sich stark danach an, dass Sie selber bereits Erfahrung mit Coworking hatten?

Wenn Sie genau hinschauen, dann wird Ihnen auffallen, dass mein Unternehmen selbst in einem Büro angesiedelt ist, das auch nach der Idee des Coworkings funktioniert. Weiter hinten sind sogar Schreib- und Arbeitsplätze für Freiberufler, die sich ein Coworking Space buchen können. Überhaupt ist der ganze Standort “Kontrastwerk” in Köln-Ehrenfeld der Versuch, unterschiedliche Büro- und Arbeitskonzepte miteinander zu verknüpfen. Das Gelände, auf dem ehemals ein Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn stand, findet man Handwerksbetriebe, Produktionsfirmen, Eventagenturen, Architekturbüros oder Unternehmensberatungen.

Sie sind Expertin für Personal- und Organisationsentwicklung. Ist das ein Trend – also mehr Flexibilisierung der Arbeitswelt und der Arbeitsorganisation?

Grundsätzlich würde ich diese Frage bejahen. Gerade die viel diskutierte Generation Y weist darauf hin, dass die Arbeitswelt im Begriff ist, sich nachhaltig zu verändern. Diese junge Generation hat andere Erwartungen an das Erwerbsleben. Da ich aber in der Regel Unternehmen mit Industrie-Hintergrund berate, kenne ich auch die Grenzen dieser Entwicklung. Menschen, die Maschinen in der Produktion bedienen müssen, können nicht arbeiten, wann und wo sie wollen. Dort herrscht auch ein ausgeprägtes Kosten- und Kontrollbewusstsein im Management.

[jumbotron heading=“INTERESSIERT?“ tagline=“E-JOURNAL ÜBER FLEXIBILISIERUNG, COWORKING UND CORPOWORKING „]Mehr über diese und weitere Themen rund um Wandel in der Arbeitswelt finden Sie im E-Journal „Workplace Innovation“. Besuchen Sie die Website zum E-Journal: www.workplace-innovation.de[/jumbotron]

Das heißt?

Das Personal wird als Kostenfaktor angesehen, woraus sich für das Management die Notwendigkeit der Kontrolle ergibt. Das weiß ich als Volkswirtin, die viele Jahre im Controlling eines Großunternehmens tätig war, sehr gut. Dieses Management-Denken sollte aber nicht nur im Lichte des demografischen Wandelns sondern auch vor dem Hintergrund der digitalen Transformation der Wirtschaft hinterfragt werden, um keine neuen Entwicklungen zu übersehen. Die deutschen Unternehmen stehen nämlich vor unterschiedlichen Herausforderungen, die das Gewohnte umkrempeln könnten.

Wie werden Ihrer Meinung nach diese Veränderungen stattfinden? Schließlich diskutieren wir seit Jahren Themen wie Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Diversity Management, Flexibilisierung, Individualisierung, Work-Life-Balance u.v.m. Reagieren die Unternehmen auf diese Veränderung, erst wenn die Krise eingetreten ist, also wenn es zu spät ist?

Nicht unbedingt. Wir laufen zwar dem Trend hinterher, auch es passiert einiges in den Betrieben, wie die Einrichtung von Kindergärten, Förderung von Familien oder weitere Maßnahmen der Personal- und Organisationsentwicklung. Viele Unternehmen warten nicht ab, bis es zur Krise kommt. Oft wird gehandelt, wenn diese Entwicklungen an die Substanz des Unternehmens gehen. Wenn sie beispielsweise merken, dass es für sie zunehmend schwieriger wird, Nachwuchs aus Generation Y zu rekrutieren  oder diese an die Unternehmen zu binden, gleichzeitig andere Unternehmen dies erfolgreich tun – dann wird auch konsequent gehandelt.

Frau Alberts, vielen Dank für das sehr interessante Gespräch!

Das Interview führte Kamuran Sezer. Es ist erstmals im E-Journal www.workplace-innovation.de erschienen. Darin finden Sie weitere Artikel, Fallbeispiele und Reportagen zu Wandel in der Arbeitswelt mit dem Spezialthema „Corpoworking“. 

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