Mittelstand: Den Anfang eines Fadens finden

Digitalisierung, Silicon Valley, disruptive Technologien, Hack the Life, Sharing Economy, predictive analytics, Business Intelligence oder Data Visualization. Das sind Begriffe, die beeindrucken und viele Unternehmenskapitäne ratlos zurücklassen. Hinzu kommen gut gemeinte Appelle aus der Politik oder zahlreiche Studien, die die Ratlosigkeit und Verunsicherung vertiefen. Als ob die neuen Technologien nicht ausreichen, heißt es weiter, dass eine neue Unternehmenskultur nötig ist, in der innovative Managementmethoden zum Einsatz kommen.

Mittelstand wird mit Informationen überschüttet

Sie müsse vor allem auf eine eigenwillige und leistungsorientierte Generation Y zugeschnitten sein, da sie die Kompetenzträger der Zukunft sind. Die lange Debatte über die Digitalisierung als Herausforderung für die deutsche Wirtschaft ist an dieser Stelle stark komprimiert. Für die meisten mittelständischen Unternehmen dürfte es so wirken. Sie werden mit gute Ratschlägen, vielen Studien, Fallbeispielen oder Veranstaltungen überschüttet.

Auf der anderen Seite sind diese Studien, Fallbeispiele, Veranstaltungen und guten Ratschläge notwendig. Ohne sie fehlt es an einer soliden Wissensbasis. Das Problem: heute verändern und erneuern sich Technologien so schnell wie nie zuvor in der Geschichte der Menschen. Da hat man gerade den Umgang mit Facebook und Twitter gelernt, kommt Snapchat um die Ecke. Mit Künstliche Intelligenz, autonomen Systemen oder virtuelle Realität stehen die nächsten Technologien in der Reihe, die die Spielregeln eines Marktes verändern werden, an die man sich mit großem Aufwand angepasst hatte. Das frustriert.

Digitalisierung – Was tun? Wo anfangen?

Vor allem der Mittelstand als das Rückgrat der deutschen Wirtschafts- und Innovationslandschaft ist gefordert zu handeln, um die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft sicherzustellen. Aber was tun? Wo anfangen? Erst Mal die gute Nachricht: Es ist nicht nötig, dass ein Unternehmen auf jeden Zug springt, der auf dem Weg in die Glückseligkeit der Digitalisierung ist. Die besondere Herausforderung besteht darin, die Komplexität des Themas – sinnstiftend und handlungsaktivierend – zu reduzieren. Dafür ist es wichtig, herauszufinden, welche Entwicklungen der Digitalisierung das Geschäftsmodell direkt und indirekt beeinflussen.

Dafür muss man nicht nach Silicon Valley schauen. Die Daten im eigenen Unternehmen sind der Anfang des Fadens, mit dem der Mittelstand eine Digitalstrategie strickt. Daten aus dem Vertrieb, Marketing, Controlling, Logistik oder aus anderen Funktionsbereichen bilden Entwicklungen ab und zeigen Trends auf, die begründete Interpretation über den weiteren Geschäftsverlauf geben.

[html]Wer Daten im Unternehmen aufbereiten will, aber noch nicht weiß, wer der richtige Anbieter ist, findet Orientierung in der BARC-Studie über Anbieter von Business Intelligence.[/html]

 

Erst im zweiten Schritt ist es sinnvoll, technologische, ökonomische und soziale Innovationen im Umfeld des Unternehmens zu identifizieren, um sie mit den aufgearbeiteten Daten abzugleichen. Die Innen- und Außenbetrachtung ergeben zusammen ein breites Wahrnehmungsfeld, um Trends und Entwicklungen besser zu erkennen und einzuschätzen. Diese beiden Meilensteine verringern die Komplexität der Herausforderung und helfen die relevanten Entwicklungen in der Digitalisierung zu erkennen.

Digitaler Darwinismus hat begonnen

Am Anfang dieses Prozesses, dem Nullpunkt, steht die Einsicht: Digitalisierung muss Chefsache werden. Heike Simmet, Professorin an der Hochschule Bremerhaven und Expertin für Digitalisierung, hat diesen Gedanken in einer Präsentation pointiert zusammengefasst. Sie zeigt, wie der Mittelstand in fünf personal- und kompetenzorientierten Schritten eine Digitalstrategie entwickeln kann. Ihre zentrale Botschaft dabei lautet, dass ein digitaler Darwinismus entstanden ist, in dem der Spreu vom Weizen getrennt wird.

Autor: Kamuran Sezer, Geschäftsführer des futureorg Institut, das auf sozioökonomische Trendanalysen und Innovationskommunikation spezialisiert ist.

 

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