Datenvisualisierung: Gegen das postfaktische Zeitalter

Fakt oder kein Fakt, das ist mittlerweile eine große Streitfrage in den sozialen Medien. Handelt es sich dabei um einen wahren Fakt, einen alternativen Fakt oder eine persönliche Meinung? Die Grenzen sind fließender als man es annimmt. Mit ‘Fake News’ ist ein weiterer Aspekt in diese Diskussion eingeflossen. Es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass Staaten wie beispielsweise Russland bewusst Falschmeldungen in die öffentlichen Debatten einbringen, um ein bestimmtes Meinungsbild zu erzeugen.

Amerikanische Geheimdienste behaupten, dass Russland mit Falschmeldungen aktiv in den amerikanischen Wahlkampf eingegriffen hat. Es soll ihm gelungen sein, die Stimmung im Wahlvolk zugunsten von Donald Trump zu verschieben. Dieses Jahr stehen in Deutschland die Bundestagswahlen an. Entsprechend groß ist die Sorge, dass eine ähnliche Einflussnahme hierzulande erfolgt.

Emotionale Themen als Mittel zur Einflussnahme

Der Umgang mit Russland ist ein solches emotionale Thema. Zukunftsängste, Arbeitsplatz-Sicherheit, Flüchtlinge, Religion und viele weitere gehören ebenfalls dazu. Sie sollen Angst machen, verunsichern und polarisieren. Die Bundesregierung hat auf diese Entwicklung reagiert. Das gemeinnützige Recherchezentrum “correctiv!” hat die Aufgabe, Fake News aufzudecken und die Menschen aufzuklären. Wie erfolgreich diese Initiative sein wird, ist umstritten. Es ist fraglich, ob eine solche “manuelle” Vorgehensweise in der Lage ist, die Flut an Falschmeldungen zu bewältigen. So werden in den sozialen Medien so genannte Bots oder Fakeprofile eingesetzt, die automatisch Falschmeldungen produzieren und verbreiten.

[html]Weltweite Migrationsflüsse – interaktive Weltkarte (Quelle: metrocosm.com)

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Nach dem Motto “Ein Bild sagt mehr aus als tausend Worte” betreibt Max Galka aus New York einen Blog zur Datenvisualisierung. Er selbst ist Datenspezialist und hat vor Jahren ein Startup für Immobilien-Daten gegründet. Davor war er in der Finanz- und Versicherungsbranche beschäftigt. Mithilfe von Daten modellierte er Prognosen zu Naturkatastrophen, Hypothekenzahlungen oder Lebenserwartungen von Menschen. Der bekennende Vegetarier gibt Kurse über Datenvisualisierung und ist Autor beim Huffington Post. Kurz: Daten sind seine Leidenschaft.

Weltweite Migration visualisiert

Genau genommen liebt er die Datenvisualisierung. Für sein Blogprojekt erstellt er dynamische Weltkarten, in denen er Daten zu bestimmten Ereignissen aufarbeitet.  Angeregt durch die Debatten im US-Wahlkampf hat er sich dem Thema Einwanderung gewidmet. Im Wahlkampf habe das Thema eine zwiespältige Rolle angenommen: Einwanderung würde als Ursache und gleichzeitig als Lösung für alle Probleme der USA dargestellt. Um die weltweiten Migrationsbewegungen zu visualisieren, hat er auf die Daten der Vereinten Nationen zugegriffen.

Herausgekommen ist eine beeindruckende dynamische Weltkarte, die auf einem Blick viele Vorurteile und Fehlinformationen aufräumt. Die Furcht der Amerikaner vor syrischen Flüchtlingen sind ebenso unbegründet, wie die Behauptung, arabische Länder seien unsolidarisch und nehmen keine Kriegsflüchtlinge aus Syrien auf. Die Grafik zeigt allerdings ebenso die massiven Migrationsflüsse in den USA, so dass man die Sorgen mancher Amerikaner nachvollziehen kann. Diese grafische Visualisierung, so schön sie aussehen mag, macht eins deutlich: die Wahrheit ist nicht einfach.  

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