Applicant Tracking System: Richtige Keywords statt Kompetenz

Unternehmen setzen verstärkt auf Applicant Tracking System ein. Neben vielen Vorteilen wird das Tool für Human Resources auch kritisiert.

Nicht frei von Fehler, es wird den Bewerbermarkt trotzdem aufrütteln. Die Rede ist von Applicant Tracking Systems. Es ist eine Art Business Intelligence für Personalabteilungen in Unternehmen.  

Applicant Tracking System, oder kurz: ATS. Dieser Begriff macht seit Kurzem die Runde durch die Welt der Personalarbeit. Bewerbungsmanagement-Software ist mittlerweile in vielen Unternehmen Standard. Von der Sache her verhält sie sich wie ein Customer Relationship-Software. Zentrale Daten werden erhoben, gespeichert und verwaltet. Das Applicant Tracking System ist in vielen Punkten anders.

Bewerber finden ohne Stellenanzeige

Beispielsweise kann es aus dem Bestand bisher eingegangener Bewerbungen herausfinden, ob sich in der Vergangenheit ein Kandidat beworben hat, der die Anforderungen der vakanten Stelle erfüllt. So muss ein Unternehmen nicht aufwendig Stellenausschreibungen aufsetzen und veröffentlichen. Von der Erstellung der Stellenanzeige über Einladungen zum Vorstellungsgespräch bis zur Unterschrift des Arbeitsvertrages entstehen neben dem zeitlichen Aufwand für Mitarbeiter der Personalabteilung zwangsläufig Kosten.

Es kommt vor, dass Unternehmen Mitarbeiter ihrer Konkurrenten abwerben, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit auszubauen. Applicant Tracking Systeme erlauben, riesige Mengen an Bewerberdaten nach gewünschten Hardskills wie besuchte Schulen, Hochschulen, Studiengänge oder ehemalige Arbeitgeber zu suchen.

Mensch wird auf Keywords reduziert

Nicht nur das: anhand der vorliegenden Informationen werden auf die Bewerber zugeschnittene Anwerbungsstrategien entwickelt. Dafür sind die Informationen aus den Bewerbungsunterlagen wichtig: Familienstand, Hobbies, Umzüge oder Gehaltserwartungen geben Hinweise für eine gezielte Ansprache.

Trotz aller Vorteile gibt es auch laute Kritiken. So führen Branchenkenner an, dass ein Applicant Tracking System die besten Kandidaten verpassen könnte, weil er nicht die richtigen Schlüsselbegriffe genutzt hat. Glaubt man manchen Medienbeitrag, spielen nicht mehr die Kompetenzen und die Persönlichkeit eines Bewerbers eine Rolle. Der Mensch ist der Maschine ausgeliefert und wird auf Keywords in seiner Bewerbung reduziert. So einfach ist es trotzdem nicht.

ATS ersetzt keinen Menschen

Das Applicant Tracking System ersetzt keinen Menschen in der Personalabteilung eines Unternehmens, so der Anspruch. Vielmehr soll es menschliche Entscheidungen unterstützen. Auch wenn Medien manchmal dieser Eindruck vermitteln, ist eine Online-Bewerbung nicht vergeblich. Trotzdem hat das System gewissen Tücken. Beispielsweise einen blinden Fleck für aktuelle Entwicklungen auf dem Markt: neue Technologien, neue Skills, neue Berufsbezeichnungen oder Wertewandel, die das System nicht kennt.

Es gibt keinen Zweifel, dass Applicant Tracking Systems noch stärker in die Wirtschaftswelt einziehen wird. Experten gehen davon, dass nahezu alle Großunternehmen damit arbeiten und immer mehr mittelständische Unternehmen dieses Tool einführen. Trotzdem ist kein perfektes, fehlerfreies System, das Personaler aus Fleisch und Blutz ersetzen wird.

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