Selbstfahrendes Auto: Würden Sie Ihre Familie fahren lassen?

70% aller Befragten einer McKinsey-Studie sprechen sich dafür aus, dass selbstfahrende Autos möglichst schnell auf die Straßen kommen. Trotz hoher Akzeptanz gibt es regionale Unterschiede. So ist die Bereitschaft chinesischer Konsumenten höher als die Deutschen. MarleneBitzer

In fast jedem Neuwagen findet der Autobesitzer Fahrassistenzsysteme. Spurhalte-Assistent, Einpark-Hilfe oder Sensoren für Abstandsmessung. Sie geben einen Vorgeschmack auf das selbstfahrende Auto. Die Unternehmensberatung McKinsey untersuchte die Akzeptanz von Konsumenten aus Deutschland, USA und China.

4% der Autokäufer sind überzeugt: Künstliche Intelligenz (KI) wird in den kommenden Jahren die Mobilität von Grund auf verändern. Nur jeder vierte hält den Einzug der neuen Technologien für ein Risiko; fast die Hälfte (47%) hätte keine Bedenken, die eigene Familie einem von KI gesteuerten selbstfahrenden Auto anzuvertrauen. 70% aller befragten Kunden sind dafür, dass vollautonomes Fahren so schnell wie möglich auf den Straßen erlaubt sein sollte.

Fast 100 Milliarden US-Dollar für KI im Auto

Automobilindustrie und Technologiekonzerne rüsten sich weltweit für die Neuerungen: Seit 2010 haben sie insgesamt 51,1 Mrd. US-Dollar in Übernahmen rund um KI investiert; 33,5 Mrd. US-Dollar ins autonome Fahren, weitere 13,6 Mrd. in das Kundenerlebnis beim Fahren. Damit ist Infotainment, Konnektivität, Sprach- und Gestenerkennung gemeint. Dies sind zentrale Ergebnisse der neuen Studie „Smart moves required – the road towards artificial intelligence in mobility“. Für die Analyse hat McKinsey & Company mehr als 3.000 Konsumenten in Deutschland, den USA und China befragt, Branchenexperten interviewt und die Investments untersucht.

 

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„Auffällig ist, dass die Verbraucher wesentlich aufgeschlossener für neue Technologien sind, als vielfach vermutet“, berichtet Matthias Kässer, McKinsey-Partner in München. Er ist zugleich einer der Autoren der Studie. Nur 25% glauben, die Risiken überwögen die Chancen der neuen Technologie. Und für 65% der Befragten ist KI im Auto so wichtig, dass sie bereit wären die Marke zu wechseln, um ein besseres Angebot an autonomem Fahren zu bekommen. „Das zeigt, wie wichtig das Thema für die künftige Wettbewerbsposition eines jeden Herstellers ist. Die Kunden haben hohe Erwartungen.“, ergänzt Kässer.

Chinesen weniger besorgt als Amerikaner und Deutsche

Das Vertrauen in neue Technologien ist nicht bei allen Verbrauchern gleich ausgeprägt. Wenn auch ein Großteil der Befragten keine Bedenken hätten, ihre Familie in einem vollautonomen Wagen fahren zu lassen, sind die regionalen Unterschiede erheblich: 73% der Chinesen trauen der KI im Auto, 37% der US-Amerikaner und nur 30% der Deutschen. Darüber hinaus vertrauen weltweit jüngere Konsumenten unter 30 Jahren der Technologie eher (59%) als ältere über 50 Jahren (28%). Ein weiterer Unterschied gibt es zwischen Stadt und Land. Mit 68%  vertrauen städtische Autofahrer in die Technologie mehr als die Befragten im ländlichen Raum. Gerade einmal 28% Einwohner ländlicher Bevölkerung würden ihre Familie in einem vollautonomen Auto fahren lassen.

Großes Vertrauen in etablierte Hersteller

Die klassischen Hersteller sind bei diesem Wettlauf in einer guten Ausgangsposition. Dabei profitieren sie von ihrer starken Reputation. 57% der Konsumenten weltweit (53% in Deutschland) trauen ihnen am ehesten die Führungsrolle im Entwickeln neuer AI-Anwendungen zu. 28% (in Deutschland 36%) setzen auf neuere Autohersteller. Weitere 15% (in Deutschland 11%) auf ursprünglich branchenfremde Technologieanbieter. Weltweit würden auch 73% der Fahrer einem vollautonomen Auto aus dem Hause eines klassischen Herstellers mehr trauen als den Angeboten junger oder branchenfremder Unternehmen.

An KI-Anwendungen für Autos arbeiten nach McKinsey-Analyse weltweit mehr als 500 Unternehmen. Seit 2010 wurden 51,1 Mrd. US-Dollar in die Forschung investiert. Das Tempo erhöht sich: Seit 2014 hat sich das Volumen der Investments gegenüber den vier Jahren davor vervierfacht. (mckinsey/iovolution)

McKinsey bietet Anbietern, die neue Chancen der AI bestmöglich nutzen möchten, folgende fünf  Empfehlungen:

  • Schwerpunkte setzen: „Die Entwicklungskraft des Unternehmens auf die für Kunden entscheidenden Anwendungsfelder fokussieren, nicht in zu vielen Projekten verzetteln“, rät Andreas Cornet, Seniorpartner in München und Leiter der deutschen Automobilberatung bei McKinsey. Vor allem die gefragten Applikationen, in denen der Hersteller eine gute Wettbewerbsposition erreichen kann, werden zur Ertragslage beisteuern.
  • Daten nutzen: Die Analyse von Daten liefert nur dann den maximalen Nutzen, wenn möglichst alle relevanten Datenpunkte systematisch erfasst werden. Nur so lassen sich lernende Algorithmen entwickeln.
  • Standards definieren: Eine branchenweite Entwicklung von Standards in Absprache mit den staatlichen Regulatoren ist eine Erfolgsvoraussetzung, um das volle Potenzial zu erreichen.
  • Partnerschaften eingehen: „Lernende Systeme für Fahrzeuge sind eine so komplexe Aufgabe, dass ein Anbieter das kaum alleine bewältigen kann. Zusammen mit Technologiepartnern, Zulieferern und Kunden sollte ein Hersteller zu einem wirtschaftlichen Ökosystem gehören, das Ressourcen und Talente poolt, um schneller zum Ziel zu kommen“, so Andreas Tschiesner, Leiter der europäischen Automobilberatung bei McKinsey.
  • Geschäftsmodelle entwickeln: An der Nahtstelle zwischen klassischem Fahrzeugbau und KI-basierten Anwendungen entstehen neue Geschäftsmodelle. Hersteller sollten überprüfen, in welchen Bereichen sie sich engagieren wollen und diese Entscheidung immer wieder anpassen. Matthias Kässer: „Das Thema verändert sich so rasant, dass sich neue Geschäftsmodelle am besten frühzeitig Schritt für Schritt entwickeln lassen.“

Die McKinsey-Studie „Smart Moves Required – Der Weg zu Künstlicher Intelligent im Mobilitätssektor“ kann hier kostenlos heruntergeladen werden (pdf).

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