Datenkompetenz: Deutschland hinkt im europäischen Vergleich

In einer datenbasierten Arbeitswelt wächst die Bedeutung von Datenkompetenzen. Darunter verstehen die Autoren der Qlik-Studie, die Fähigkeit der Mitarbeiter Daten zu lesen, zu verstehen und anzuwenden. (Foto: Gkenius)

In immer mehr Unternehmen spielen Daten eine wichtige Rolle. Dabei sind Mitarbeiter gefordert, Daten richtig zu lesen, zu verstehen und anzuwenden. Wie steht es jedoch um die Datenkompetenz der Mitarbeiter in den Unternehmen? Die großangelegte Qlik-Studie bietet erstmals Antworten auf diese Frage.

Für Robert Schmitz gehört die Datenkompetenz zur essentiellen Grundbildung von Menschen. „Datenkompetenz ist inzwischen ebenso bedeutend wie Lesen und Schreiben“, sagt Schmitz, der General Manager Central & Eastern Europe bei Qlik ist. „Daten verleihen Argumenten Gewicht und helfen dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Das wird immer wichtiger, denn im Alltag haben wir es mit einer stets wachsenden Datenfülle zu tun“, setzt er fort. Die Fähigkeit kompetent mit Daten umzugehen, wird immer notwendiger. Schmitz erinnert an Fake News und Datenmanipulation. „In solchen Zeiten ist es entscheidend, Informationen profund und sauber zu verarbeiten, um Transparenz und Klarheit herzustellen.“

 

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Doch wie steht es um die Datenkompetenz und Datensouveränität von Mitarbeitern in Unternehmen. Qlik, einem führenden Anbieter von Data Analytics Software, hat dazu eine umfangreiche Studie unter europäischen Mitarbeitern durchgeführt. Demnach fühlen sich Mitarbeiter europäischer Unternehmen nur zu einem geringen Teil datenkompetent. Konkret: nur 17 Prozent der befragten Arbeitnehmer fühlen sich in der Lage, tatsächlich in ihren verfügbaren Daten zu lesen, mit ihnen zu arbeiten, sie zu analysieren und datenbasiert zu argumentieren.

Die Befragung ist Teil der neuen Data-Equality-Kampagne von Qlik. Mit der Kampagne will der Anbieter von Analytics-Software mehr Datenbewusstsein und -souveränität fördern. Mit ihr stellt sie die Forderung auf, dass Organisationen und ihre Mitarbeiter möglichst vollständig für die Bedeutung von Daten sensibilisiert werden.

Viele Mitarbeiter fühlen sich vom Arbeitgeber nicht ausreichend unterstützt

Die neue Umfrage unter mehr als 5.000 europäischen Arbeitnehmern ergab zudem einen engen Zusammenhang zwischen dem Grad der Datenkompetenz und der Arbeitsleistung: über drei Viertel der Menschen, die sich als datenkompetent empfinden, nehmen sich auch als sehr leistungsstark bei der Arbeit wahr. Darüber hinaus bestätigen Befragte, die in ihrer aktuellen beruflichen Position Daten nutzen, dass Datenkompetenz die Glaubwürdigkeit im Job erhöht.

Der Großteil zeigt sich in der Qlik-Studie bereit, mehr Zeit und Energie in die Verbesserung der eigenen Datenkompetenz zu investieren – wenn es die Chance dazu gibt. Doch viele Befragte fühlen sich gehemmt durch ihren Arbeitgeber. Nur ein knappes Viertel berichtet aus der eigenen Arbeitsumgebung von einer sehr guten Kultur bezüglich professioneller Datennutzung – und der entsprechenden Befähigung dazu. 43 Prozent fühlen sich dagegen nicht adäquat geschult und ausgestattet.

Brachliegende Potenziale

Wie die neue Qlik-Studie zeigt, sind europäische Unternehmen noch weit weg von gleich guten Daten-Bedingungen für alle: Zwar sagt die Mehrheit der ausführenden Mitarbeiter, dass mehr Daten und besseres Datenverständnis helfen würde, die täglichen Aufgaben zu erledigen. Doch gerade diese Gruppe ist am wenigsten in der Lage, auf relevante Datensätze zu zugreifen. Auf diese Weise liegen Potenziale brach, im Job noch bessere Leistungen zu erzielen. Unter Führungskräften dagegen bestätigen 79 Prozent, Zugang zu allen relevanten Daten zu haben. Ausgerechnet unter den Top-Level-Mitarbeitern zeigt sich – mit 24 Prozent – ein signifikantes Defizit an echter Kompetenz, die Daten optimal zu nutzen (24%).

Dieser Umstand wirft Fragen auf, inwiefern Hochschulen ihre Studierende auf eine datenbasierte Arbeitswelt  vorbereiten. Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss landen in Bezug auf Datenkompetenz und den souveränen Umgang mit Daten sogar knapp hinter denjenigen mit Ausbildungsberufen  – 10,1 Prozent verglichen mit 10,2 Prozent. Dies legt den Schluss nahe, dass die Hochschulen keine besondere Rolle dabei spielen, die künftigen Professionals und Entscheidungsträger darin zu qualifizieren, effektiv mit Daten zu arbeiten.

Datensouveränität: Spanien führt, Deutschland hinkt

Der Zugriff auf Daten sowie deren Nutzung sind in Europa recht unterschiedlich verteilt: Fühlen sich in Spanien mit 25% noch am meisten Menschen datenkompetent, sind es in Großbritannien nur 21 Prozent, in Schweden 15 Prozent und in Deutschland lediglich 14 Prozent, die sich befugt und befähigt sehen, effektiv mit Daten zu arbeiten.

Auffällig an den deutschen Ergebnissen der Studie ist, dass in der Bundesrepublik – verglichen mit ganz Europa – die Schere bei der Datenkompetenz zwischen Führungskräften und Sachbearbeitern noch ausgeprägter ist: In Deutschland bestätigen 83 Prozent der C-Level-Manager, einerseits umfänglichen Datenzugang zu haben, andererseits geben 26 Prozent an, nicht über ausreichende Datenkompetenz zu besitzen. Auch bei der Datenkompetenz der Hochschulabsolventen kann Deutschland nicht im Europavergleich punkten: nur zehn Prozent der akademischen Berufseinsteiger beschreiben sich als datenkompetent. Damit liegt diese Gruppe unter dem deutschen Gesamtdurchschnitt, wonach 14 Prozent der Befragten sich die Fähigkeit zuschreiben, datenkompetent zu sein. (qlik/iovolution)

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