Themen wie „Cloud“ und „Künstliche Intelligenz“ sind seit Jahren in aller Munde. Wie haben sich diese Themen während der Corona-Pandemie weiterentwickelt? Im Interview blickt Michael Vetter, Gründer und Geschäftsführer der Iodata GmbH, auf das Daten-Jahr 2020 zurück. Dabei berichtet er von den Schwierigkeiten, aber auch den Highlights des auslaufenden Jahres.

Jahresrückblick 2020: “Data Literacy ist das wichtigste Thema” – Michael Vetter im Interview

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Themen wie „Cloud“ und „Künstliche Intelligenz“ sind seit Jahren in aller Munde. Wie haben sich diese Themen während der Corona-Pandemie weiterentwickelt? Im Interview blickt Michael Vetter, Gründer und Geschäftsführer der Iodata GmbH, auf das Daten-Jahr 2020 zurück. Dabei berichtet er von den Schwierigkeiten, aber auch den Highlights des auslaufenden Jahres.

Herr Vetter, Sie haben Anfang des Jahres bereits ein Interview zum Thema Trends in BI 2020: “Keine Künstliche Intelligenz ohne Business Intelligence“ geführt. Darin haben Sie von Trends gesprochen, die 2019 bestimmt haben und 2020 besonders relevant sein würden. Dazu zählten beispielsweise die Themen „Cloud“, „KI“ und „Data Literacy“. Rückblickend auf das Jahr: Wo stehen wir denn jetzt bei diesen Themen?

In Sachen Cloud haben wir von diesen drei Themen ganz klar die meisten Fortschritte gemacht. Der Trend geht in Richtung BI in der Cloud. Wenn Sie mich vor anderthalb Jahren gefragt hätten, ob die Cloud hier in Deutschland eine Zukunft hat, dann hätte ich ganz klar gesagt: „Nein, die Leute geben ihre Daten nicht in die Cloud“. Aber heute stellen wir fest: Es geht rasant in diese Richtung. Auch und nicht zuletzt, weil die BI-Tool-Anbieter das massiv vorantreiben.

Und wie sehen Sie das Heute?

Für besseres Verständnis ist es wichtig, zu verstehen, dass bisher die Cloud nur Infrastruktur verwaltet hat (IaaS). Dies bedeutet, die Cloud hat Rechenleistung, Speicher und Netzwerkkapazitäten bereitstellt. Unternehmen mussten jetzt keine Rechner mehr in den Keller stellen. Als Nächstes wird eine Plattform bereitgestellt, eine sogenannte “Platform as a Service“ (PaaS). Die Unternehmen sind in der Lage, Anwendungen zu installieren, ohne Gedanken über die Größe der Infrastruktur zu machen. Die Entwicklung geht klar noch weiter zum nächsten Schritt „Software as a Service“ (SaaS). Der Kunde muss sich nicht mehr mit der Applikation rumschlagen oder neue Versionen einspielen. Das ist der Trend, der sich abzeichnet. SaaS schlägt sich auch im Angebot der BI-Anbieter nieder.

Michael Vetter, GF Iodata GmbH

Michael Vetter, GF Iodata GmbH

Michael Vetter hat Wirtschaftsingenieurwesen am Karlsruher Institute of Technology (KIT) studiert. Bevor er Unternehmer wurde, war er als Vertriebsingenieur für Siemens tätig. Im August 2000 hat er die Iodata GmbH gegründet. In den letzten 20 Jahren hat sich das Unternehmen vom bloßen Software-Reseller zur Unternehmensberatung weiterentwickelt.

Gilt dies auch für Qlik und ThoughtSpot?

Qlik und ThoughtSpot setzen voll und ganz auf die Cloud und SaaS. Bei Qlik heißt dieser Service Qlik Sense Enterprise SaaS und beim anderen Anbieter schlicht ThoughtSpot Cloud.

Warum entwickeln BI-Anbieter sich in die Richtung?

Es gibt zwei zentrale Gründe. Zum einen ist es aus Kundensicht sehr attraktiv. Es bedeutet für ihn eine große Entlastung. Ganz besonders für die IT. Sie müssen keine eigenen Ressourcen in Infrastruktur und Administration aufwenden, auch  Investitionen für die Infrastruktur entfallen. 

Zum anderen bietet eine SaaS-Lösung für den Anbieter selbst einen zentralen Vorteil. Statt viele heterogene Plattformen, die zudem bei den Kunden liegen, hat er eine definierte und von ihm selbst betriebene Plattform. Das macht einen fehlerfreien Betrieb und zügige Weiterentwicklung des Services möglich. Hiervon profitiert wiederum der Kunde.  

Cloud ist ein breites Themenfeld. Welche Entwicklung zeichnet sich aus Sicht von BI ab?

Ganz klar – das Thema “Embrace“. Auf Deutsch bedeutet es Umarmung und meint im Grunde eine Strategie von BI-Anbietern für die Cloud.

Embrace – was versteht man darunter?

Der Trend geht zu Data Warehouse-Lösungen in der Cloud. Hierfür wurden spezielle Datenbanken entwickelt. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Snowflake. Bei dieser Architektur befinden sich sowohl die Daten als auch die BI-Anwendungen komplett in der Cloud. Beim Thema Embrace werden die Daten nicht wie bisher üblich in die Datenhaltungen der BI-Tools überführt, sondern verbleiben in diesen speziellen Datenbanken. Die BI-Tools können mit diesen Daten wie gewohnt ihre Analysen machen. Diese Technologie ist in den USA verbreitet, findet aber auf dem deutschen Markt nach meiner Beobachtungen erst jetzt Zugang.  

Wie sieht es mit Data Literacy aus? Welche Entwicklungen gab es in dem Bereich?

In meinen Augen ist Data Literacy das wichtigste Thema. Ich leiste viel Aufklärungsarbeit und lasse keine Gelegenheit aus, um seine Bedeutung zu vermitteln. Aber: Es scheint das Unspannendste zu sein. Auf dem Markt scheint sich kaum jemand dafür zu interessieren.

Könnte man Data Literacy als eine stille oder “schweigende Basisinnovation“ in der BI-Welt bezeichnen, die über Jahre andauern wird?

Das ist absolut richtig! Das Thema Cloud ist technisch geprägt. Da spielen Infrastruktur, Kosten, Geschwindigkeit und Flexibilität eine Rolle – alles unter einem sehr technischen Aspekt. Es ist damit leichter zu zu planen als Data Literacy. Dies ist vielleicht eine Erklärung für die geringe Akzeptanz. 

Data Literacy ist aus meiner Sicht wesentlich wichtiger. Infrastruktur kann man aufbauen und bei Bedarf externe Dienstleister beauftragen, die diese Aufgaben wahrnehmen. Aber Data Literacy ist eine strategische Fähigkeit, die personengebunden ist. Je besser der Mitarbeiter mit Daten umgehen kann, umso besser die Wertschöpfung durch die Daten. Und das erlangt man nicht von heute auf morgen.

Vielleicht fürchtet das Unternehmen auch den Aufwand und die damit verbundenen Kosten. Was sind denn die Konsequenzen aus Ihrer Sicht, wenn ein Unternehmen Data Literacy vernachlässigt?

Ein Unternehmen muss abwägen, ob es eventuell den Anschluss an den Markt verliert und an Innovationsfähigkeit einbüßt. Die digitale Transformation betrifft nämlich beides. In der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen erleben können, welche Bedeutung die Digitalisierung für sie hat. Die digitale Transformation setzt sowohl einen gut sortierten Datenhaushalt als auch datenkompetente Mitarbeiter voraus. Vor diesem Hintergrund bietet BI viele strategische Vorteile.

Zum Beispiel?

Wer BI im Unternehmen einführt, der bringt zwangsläufig sein Datenhaushalt in Ordnung. Daten sind wichtig für die Wertschöpfung. Mithilfe der Daten kann das Unternehmen seine Leistungsfähigkeit beobachten, Prozesse optimieren und Kundenbedarfe entdecken. Das sind nur einige Beispiele. 

Ein weiterer wichtiger Vorteil besteht darin, dass das Unternehmen automatisch an aktuellen technologischen Entwicklungen  teilnimmt. Aktuell spielt künstliche Intelligenz in der BI-Welt eine herausragende Rolle. Sie soll den Anwendern beim Finden und Interpretieren von relevanten Daten assistieren. Der Wettbewerb fordert die BI-Anbieter heraus, wichtige Innovationen aufzugreifen und ihre Produkte zu integrieren. Unternehmen, die BI einsetzen, profitieren automatisch von diesem Innovationsdruck, ohne die Pionierkosten dafür zu tragen.

Einhergehend mit der Corona-Krise: Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf das Geschäft der Iodata?

Corona ist natürlich das Thema des Jahres. Am 13. März haben wir die Büroräume geschlossen, konnten aber gleich weiterarbeiten. Die Infrastruktur war auch in den Homeoffices gegeben.

Wie haben sich die Folgen der Pandemie konkret ausgedrückt?

Mit den gleichen Einschränkungen, wie bei jedem anderen Unternehmen auch. Der persönliche Kontakt im Team aber auch zu den Kunden fehlt natürlich. Gerade die Neu-Akquisition ist schwieriger geworden. Eine Erst-Präsentation vor Ort war bisher ein Muss. Heute ist alles virtuell und stößt auf eine breite Akzeptanz bei den Kunden. Ich gehe davon aus, dass wir im kommenden Jahr diese Arbeitsweise pflegen werden. Ich bin unseren Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern für ihr kooperatives und vertrauensvolles Verhalten sehr dankbar.

Erfreulich ist, dass in der Pandemie die Solidarität sehr groß ist und man gute Netzwerke aufbauen kann. So zum Beispiel im Rahmen der Initiative “Digital Piloten“. Hier haben sich erfahrene Unternehmen zusammen geschossen und bieten gemeinsam ein attraktives Angebot für Digitalisierungs-Initiativen in Unternehmen an.

Was sind die Digital-Piloten?

Die Iodata ist Teil des neuen Projekts „Die Digital-Piloten“. Dabei handelt es sich um eine Initiative verschiedener Unternehmen, die es sich zum Ziel gemacht haben, Firmen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Sie unterstützen Unternehmen ganz nach dem Motto „Wir beraten nicht nur, wir packen auch an!“. Sie versprechen klare Routen, erfahrene Experten und einen erstklassigen Service.

Mehr Info unter: die-digital-piloten.de

Lassen Sie uns einige Schritte zurücktreten und Business Intelligence betrachten, als ob die Pandemie nicht stattgefunden hätte: Was bleibt vom BI-Jahr 2020 übrig?

Es ist nicht alles auf Corona zurückzuführen. Auch Ende 2019 war ziemlich angespannt. Da war Corona noch eine Sache Chinas. Auch die Automobilindustrie stotterte damals schon und damit litten auch die gesamten Kfz-Zulieferer. Die aktuelle Geschäftslage kann daher nicht ausschließlich auf Corona zurückgeführt werden. Die Pandemie hat aber dennoch erheblich zu Projektverschiebungen beigetragen. 

Was erwarten Sie vom nächsten Jahr?

Ich erwarte natürlich auch, dass dieser Projektstau sich auflöst und Unternehmen wieder investieren. Außerdem wünsche ich mir, dass die guten Ideen, die heute vorhanden sind, aufgenommen werden. Wir, bei der Iodata, sind darauf vorbereitet. Wir haben die Mannschaft nicht verkleinert. Im Gegenteil – auch wir haben die Zeiten genutzt, um uns weiterzubilden. Wir erwarten bessere Zeiten.

Haben Sie ein letztes Wort an unsere Leserinnen und Leser?

Ich möchte unseren Leserinnen und Lesern “Vielen Dank!“ sagen, für Ihre Treue und Unterstützung. Mein Dank gilt auch meinem Team, das in dieser schwierigen Zeit zusammengehalten hat. Und ebenso vielen Dank an unsere Kunden für die gute und konstruktive Zusammenarbeit in diesem schweren Jahr für uns alle. Ich wünsche Ihnen allen frohe Feiertage, einen guten Rutsch und ein gesundes Jahr 2021!

Vielen Dank für das Interview, Herr Vetter.

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Wer oder was ist die Iodata GmbH?

Die digitale Transformation der Wirtschaft, die auch unter dem Begriff Industrie 4.0 diskutiert wird, ist ein Megatrend, der alle Arbeits- und Lebensbereiche durchdringt und sie verändert. Sie betrifft das Bildungssystem genauso wie das Gesundheitswesen, die Kommunen ebenso wie den Handel und selbstverständlich auch die industrielle Hochtechnologie, die das Herzstück des deutschen Standorts bildet. Umso wichtiger ist es, diese vielfältigen und dynamischen Entwicklungen der digitalen Transformation übersichtlich darzustellen und verständlich zu erklären. Wie wichtig dies ist, kennen wir aus unserer täglichen Arbeit bei der Iodata GmbH. Als Daten-Spezialisten strukturieren, analysieren und visualisieren wir Unternehmensdaten, damit das Management begründete und fundierte Entscheidungen treffen kann. Um die vielfältigen Entwicklungen der Digitalisierung zu beschreiben und zu verstehen, müssen ergänzend zu den quantitativen Daten auch qualitative Indikatoren beachtet werden. Denn heute blicken wir auf dem Fundament von Business Intelligence auf neue Herausforderungen: Smart Data, künstliche Intelligenz, autonome Fertigungsbetriebe, vernetzte Fabriken, Mensch-Roboter-Kollaborationen, predictive analytics, Internet der Dinge oder virtuelle Realitäten, um nur einige Highlights zu nennen. Iovolution.de ist daher nicht nur ein Online-Magazin, das sich an Entscheider aus Wirtschaft, Verbände, Politik und Wissenschaft wendet. Es ist eine Erweiterung des Angebots der Iodata GmbH: ein Instrument zur Trend- und Innovationsbeobachtung.

Wer oder was ist Qlik?

Qlik unterstützt Unternehmen auf der ganzen Welt, schneller zu reagieren und intelligenter zu arbeiten. Mit unserer End-to-End-Lösung können Sie das Potential Ihrer Daten maximal ausschöpfen und die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft legen. Unsere Plattform ist die einzige auf dem Markt, die Ihnen uneingeschränkte Auswertungen ermöglicht, bei denen Sie sich ganz von Ihrer Neugier leiten lassen können. Unabhängig von seinem Kenntnisstand kann jeder echte Entdeckungen machen und zu konkreten geschäftlichen Ergebnissen und Veränderungen beitragen. Bei Qlik geht es um viel mehr als um Datenanalysen. Es geht darum, Menschen zu ermöglichen, die Erkenntnisse zu gewinnen, die echten Wandel vorantreiben. Dass wir beispielsweise Gesundheitssysteme beim Aufdecken von Abweichungen in der Versorgung unterstützen, damit sie Patienten erfolgreicher behandeln können. Einzelhändlern helfen, ihre Lieferketten transparenter zu machen und für einen ungehinderten Warenfluss zu sorgen. Oder durch Nutzung von Daten unseren Beitrag zur Bewältigung großer sozialer Probleme wie den Klimawandel zu leisten. Mit anderen Worten: Es geht uns darum, etwas zu bewirken. 

(C) iovolution.de - iodata GmbH 2020 in Zusammenarbeit mit futureorg Institut - Forschung und Kommunikation für KMU