Die “letzte Meile” im E-Commerce

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Wer im Internet schon einmal ein Produkt bestellt hat, kennt es sehr wahrscheinlich schon. Ist die Bestellung verpackt und dem Versand übergeben, schickt der Online-Händler seinem Kunden per E-Mail eine Paketnummer zur Sendungverfolgung. Darüber kann der Käufer online einsehen, wo seine Bestellung sich gerade befindet und wann der Paketzusteller ungefähr vor seiner Haustür stehen wird.

Was bei Computer, Bekleidung oder Möbel sehr gut klappt, funktioniert bei Lebensmitteln oder anderen Waren des täglichen Gebrauchs schwieriger. Gerade der letzte Streckenabschnitt bis zur Haustür gestaltet sich nicht nur für den Logistikdienstleister aufwendig, er kann für die Händler und damit für die Endkunden teuer werden. Diese Form von Home-Delivery in Städten und Flächengebieten oder same-day-Lieferungen stellt nach Auffassung der Forscher vom Fachgebiet Logistik an der TU Berlin einen von sieben Trends dar, die die Logistikbranche in den nächsten Jahren bewältigen muss.

Distribution der letzten Meile kosteneffizient gestalten

“Die größte Herausforderung auf Technologie- und Logistiknetzwerk-Ebene stellt die Umsetzung einer effizienten Omni-Channel-Logistik dar. Aktuell werden Online-Kunden und stationäre Kunden oft aus zwei verschiedenen Logistiksystemen bedient. Wie hier Synergien erzielt werden können ist noch nicht zufriedenstellend gelöst und erfordert Innovationen.”, heißt es in der Studie der Berliner Logistik-Experten. Dabei stehe im besonderen Fokus, die Distribution der letzten Meile effizient zu gestalten. Unter anderem vermissen die Forscher Mehrkammer-Transportfahrzeuge, die eine kosteneffiziente Abwicklung des letzten Streckenabschnitts bis zur Haustür ermöglichen.

Ein anderer Lösungsansatz, der bereits in Frankreich oder England erfolgreich realisiert wurde, ist die Click-and-Collect-Lösung. So können Kunden die Waren online zusammenstellen und in einer Filiale oder an einem anderen Ort wie z.B. an einer Tankstelle abgeholt werden. Auf der einen Seite erhöht diese Vorgehensweise den Aufwand zur Kommissionierung der Ware, auf der anderen Seite aber entfällt für den Händler der Aufwand der letzten Meile. Die Autoren der Studie führen des Weiteren die Schweiz als Vorbild an. Dort können Kunden ihre Lebensmittel am Gepäckschalter abholen, wie man sie an Bahnhöfen vorfindet.

E-Commerce hat folgende Auswirkungen auf die Netzwerk- und Prozessebene in der Logistik:

  • Bis zu dreifacher Logistikflächenbedarf sowie dreifache Logistikkosten gegenüber der Lebensmittellogistik des stationären Handels
  • Logistikinfrastrukturinvestitionen in e-Commerce Fullfillmentcenter
  • Kooperationen mit Logistikdienstleistern für die letzte Meile
  • Angebot von Belieferungszeitfenstern von max. 2 Stunden, insbesondere in den Morgen- und Abendstunden wird notwendig
  • Bereitstellung von Webdiensten, in denen die Transporte der letzten Meile für den Endkunden sichtbar gemacht werden und Änderungen vorgenommen werden können
  • Click-and-Collect-Lösungen können eine Alternative für die logistisch aufwändige und kostenintensive Belieferung in der letzten Meile bieten

Quelle: Frank Straube (Hrsg.): Zukunftstrends der Lebensmittellogistik Herausforderungen und Lösungsimpulse

Die Autoren weisen etablierten Logistikdienstleistern darauf hin, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, da immer mehr Start Ups als neue Mitbewerber auf dem Markt auftreten, die innovative Lösungen mitbringen. Ein solches Beispiel ist der same-day-Anbieter Liefery aus Neu-Isenburg in Hessen. Einst ein Testprojekt von time:matter, das eine Tochter von Lufthansa Cargo ist, ist Liefery inzwischen ein vielversprechender Start Up.

Liefery und Lufa Farms zwei interessante Fallbeispiele

Er verspricht die Lieferung von online oder offline getätigten Bestellungen innerhalb von 90 Minuten oder zu einer Wunschzeit. Nicht nur Händler können diesen Dienst in Anspruch nehmen, sondern auch Privatpersonen, die ihre Einkäufe nicht nach Hause transportieren können. Entsprechend bewirbt das Unternehmen seinen Dienst mit “Nie wieder Einkaufstüten schleppen.”

Ein anderes Beispiel, wie Lebensmittellieferungen aussehen könnten, kommt aus Kanada. Eigentlich ist Lufa Farms ein Lebensmittelproduzent. Gemeinsam mit Architekten, Ingenieuren und Botanikern wurden ehemalige Fabrikbauten zu urbanen Landwirtschaftsbetrieben umgebaut. Gemäß dem Motto “Grow food where people live!” (Baue Nahrungsmittel dort an, wo die Menschen leben!), werden ganzjährig frisches Obst und Gemüse angeboten.

Der Kunde kann aber mehr als Tomaten, Gurken und Kräuter vom Abholort entgegennehmen. Lufa Farms arbeitet mit regionalen Bauern, Bäckern und Lebensmittelproduzenten zusammen, so dass die Kunden zum Obst und Gemüse auch Brot, Kaffee oder andere Waren bestellen können. Für die letzte Meile müssen sich die Kunden selbst kümmern: Ihre Warenkörbe liegen an Geschäften oder Schulen zur Abholung bereit.

Vernetzte und intelligente Lösung als Zukunftsvision

Darüber hinaus existieren technische Lösungen, die bei genauerer Betrachtung nicht so abwegig sind, wie sie auf dem ersten Blick erscheinen. Amazon beispielsweise testet die Lieferung ihrer Waren mit Flugdrohnen. Das britische Tech-Unternehmen Starship Technologies arbeitet an selbstfahrenden Rovern, die Waren vom Logistikzentrum bis zur Haustür liefert. Doch das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus unterschiedlichen Entwicklungen auf diesem Gebiet. Dabei wird immer mehr deutlich: Wer die letzte Meile technisch sinnvoll und kosteneffizient überwindet, der hat gute Aussichten im E-Commerce der Zukunft.

Hier kann die Studie “Zukunftstrends der Lebensmittellogistik Herausforderungen und Lösungsimpulse” (PDF) heruntergeladen werden. 

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