Reparaturmanifest: “Wenn du es nicht reparieren kannst, gehört es dir nicht!”

Foto: Karen Blakeman/Flickr

Der Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers hat Zukunft. Experten behaupten, dass in einem Haushalt die Zahl der Unterhaltungselektronik auch durch die Computisierung stark zunehmen wird. Der Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers ist daher krisensicher. So oder so ähnlich wurden junge Auszubildende in ihren künftigen Beruf in den 1980er Jahren eingeführt.

Die Prognose ist auch tatsächlich eingetreten. In den vergangenen Jahrzehnten hat die Zahl der elektronischen Unterhaltungsgeräte stark zugenommen. Gab es damals in einem Haushalt ein Fernsehgerät und ein Radio, hat sich die Zahl heute mit Smartphones, Computerbildschirmen, Notebooks und TabletPCs vervielfacht.

50 Millionen Tonnen Elektromüll: Wegschmeißen lohnt sich

Was die Experten von damals scheinbar nicht vorhergesehen haben, war, dass die Herstellungskosten massiv sinken werden. Ein VHS-Kassettenrekorder kostete in den 1980er Jahren etwa 1.000 D-Mark bis 1.500 D-Mark. Ein Blu-ray- und DVD-Player findet man heute ab 50 Euro. Die Daten, auf der die Prognose beruhte, waren zwar korrekt, aber die Analyse und Schlussfolgerung für die Zukunft des Berufs waren fatal.

Für den Konsumenten lohnt es sich bei diesen Einkaufspreisen nicht mehr, jenseits der Garantie das kaputte Gerät in die Reparatur zu schicken. In der Regel ist sie teurer als die Neuanschaffung. Der Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers war also dem Untergang geweiht.

Weltweit erstellen und übersetzen Menschen Reparaturanleitungen

Jetzt kann man allerdings einen weiteren Trend beobachten, den man aus der Ferne der 1980er Jahre gar nicht vorhersehen konnte. Wenn es mehr elektronische Geräte existieren, dann gehen mehr von ihnen kaputt. Dank der niedrigen Marktpreise landen immer mehr Geräte in den Müll statt auf den Reparaturtischen. Etwa 50 Millionen Tonnen Elektromüll häufen sich in den Industrienationen an. Das ist ein Problem, für das immer mehr Menschen ein Bewusstsein entwickeln. Vor allen Dingen – immer mehr Menschen haben begonnen, sich zu organisieren, um auch eine Lösung für das Problem anzubieten.

Eine solche Initiative ist ifixit.com aus den USA. Zwei Studenten der Ingenieurswissenschaften haben 2003 dieses soziale Unternehmen gegründet. Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, auf der mehr Menschen ermutigt werden, kaputte Geräte selber zu reparieren. Die Website des Unternehmens ist zugleich eine Online-Community, in der Mitglieder sich gegenseitig helfen können. Die Mitglieder entwickeln Anleitungen für die Reparatur oder Demontage von Geräten. Andere übersetzen sie in ihre Sprache. Darüber hinaus bietet ifixit.com ein Online-Shop, über die man Ersatzteile oder Werkzeuge kaufen kann.

Die Initiative hat auch ein Reparaturmanifest veröffentlicht. Offensichtliches Ziel ist es, aus der Idee und der Community eine globale Bewegung zu machen. Vielleicht ist das Manifest auch nur Teil eines Guerilla-Marketings, um den Absatz des Online-Shops zu steigern. Auf jeden Fall bieten die Macher von ifixit.com eine spannende soziale Innovation an – ganz nach dem Geschmack vonforgsight.com.  

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